Die hohe Kunst
des Schenkens

Wenn kurz vor Weihnachten die fieberhafte Jagd nach Geschenken beginnt, steht das Telefon bei Friedrich Rost nicht mehr still. Rost ist Pädagogikdozent an der Freien Universität Berlin und ein Geschenke-Spe- zialist der besonderen Art: Er hat über die Theorie des Schenkens promoviert und weiß, was Weihnachtseinkäufer falsch machen können.

Gedankenlosigkeit gehört zum Beispiel zu den Todsünden beim Scheuken. „Verlegen- heitspräsente können tief kränken“, warnt Rost. Wer seiner Freundin, die sich durch zahlreiche Diäten quälte, teure Pralinen auf- tischt, wird keine Punkte sammeln. Wer einem ehemaligen Alkoholiker eine Fla- sche Cognac kredenzt, erntet peinlich be- rührtes Schweigen. Auch das berüchtigte „SOS“ für die Herren der Schöpfung - Schlips, Oberhemd, Socken spricht nicht gerade für die Fantasie des Gebers.

Stundenlang kann der bärtige Wissen- schaftler darüber referieren, wie Menschen „richtig schenken“. Doch dann dämpft er den Optimismus aller Päckchenpacker. „Perfekt wird man es wohl nie hinkriegen“. Rost vergleicht Weihnachten mit staatlicher Diplomatie: Ein sorgfältig ausgesuchtes Geschenk, das Feinfühligkeit erkennen lässt, beeinflusst das Klima der Verhand- lungen ganz entscheidend und damit die Stimmung am 24. Dezember.


Friedrich Rost (52) weiß, was
Geber falsch machen können.
Der Dozent hatüber das
Schenken promoviert.

Rost interessiert nicht, welche Gaben unter dem Tannenbaum liegen. Er erforscht, was sie bewirken. Schenken sei eine hohe Kunst, betont der Wissenschaftler. „Die besten Freundschaften gehen auseinander, wenn über einen längeren Zeitraum die falschen Dinge geschenkt werden“.

Grundregel Nummer eins des Schenkens lautet, sich Gedanken über Vorlieben der Mitmenschen zu machen, sich an Wünsche zu erinnern oder unauffällig danach zu fragen. Eine solche Gabe bewirkt nach Rosts Erkenntnis ein wichtiges psycholo- gisches Wechselspiel: Der Beschenkte freut sich über eine originelle Idee, und das schmeichelt dem Geber.

Ein Drittel der Bundesbürger kauft nach einer Forsa-Umfrage an Weihnachten Geschenke im Wert bis zu 100 Euro, ein weiteres Drittel lässt sich Gaben an Heilig- abend bis zu 250 Euro kosten. Der mater- ielle Wert eines Geschenkes ist für Rost nebensächlich. Erwachsene könnten sich ihre Wünsche oft selbst erfüllen. Was es nicht zu kaufen gibt, ist die persönliche Wertschätzung, die sich in einem gelun- genen Geschenk ausdrückt.

Quelle: Ostsee-Zeitung 17.12.2001

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letzte Aktualisierung am 2002-12-01

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